|
Geschichte
Zur Geschichte der Kirche Mett
Als anlässlich der Renovation der Kirche Mett in den Jahren 1974/75 der Archäologische Dienst des Kantons Bern eine Grabung im Innern der Kirche vornahm, wurden neben den Spuren der Vorgängerbauten auch zahlreiche Gräber freigelegt. Eines davon erregte besondere Aufmerksamkeit. Neben dem Skelett lagen eine Fibel (Gewandnadel) und Glasscherben.
Die wissenschaftliche Auswertung des Fundes ergab, dass es sich bei dem Toten um einen etwa 55-jährigen Mann handelte, der um 350 n. Chr. eines natürlichen Todes gestorben war. Die vergoldete Fibel, mit der das Gewand des Toten auf Schulterhöhe einst verschlossen war, zeichnete ihn als hohen militärischen Beamten aus. Die Scherben gehörten zu zwei zylindrischen Flaschen und einem Glasbecher. Darin hatte man dem Toten Wein und Wasser als Wegzehrung mitgegeben. Der kostbare, mit figürlichen Darstellungen reich dekorierte Becher stammte aus einer ägyptischen Werkstatt.
Mauerreste und weitere Spuren zeugten davon, dass über dem Grab ein Mausoleum (Grabbau) errichtet worden war. Dieses diente im 5. Jahrhundert für weitere drei Gräber, und in frühchristlicher Zeit, um 600, wurde es in eine erste Kirche einbezogen. Das alles deutet darauf hin, dass der römische Offizier hoch geachtet war und seine Grabstätte eine besondere Verehrung genoss. Vielleicht — wir wissen es nicht und sind auf Vermutungen angewiesen — sahen spätere Generationen in ihm einen Zeugen für das Christentum oder sogar den Gründer einer christlichen Gemeinde.
Der Fund hat auch heute, nach einem Vierteljahrhundert, seinen Stellenwert nicht verloren. Im Gegenteil: Die späteren Entdeckungen aus dem Umfeld von Petinesca, etwa das Doppelkastell und die Hafenanlage in Aegerten, sowie weitere Funde aus römischer Zeit untermauern die Bedeutung des Grabes von Mett als Zeuge spätrömischer Zivilisation in der Region Biel-Seeland-Jura.
Das Grab lag in unmittelbarer Nähe der Strasse, die von Aventicum (Avenches) über Petinesca (Studen/Aegerten) in den Jura nach Augusta Rauracorum (Augst) und Epomanduodurum (Mandeure) führte. Ganz in der Nähe, am Rennweg, wurden schon 1925 zehn Gräber eines gallo-römischen Friedhofs entdeckt. Auch weitere Grabfunde zwischen Mett und Bözingen belegen den römischen Brauch, die Toten entlang der Strassen zu bestatten.
Das Grab des römischen Offiziers bildete den Ausgangspunkt für die spätere Kirche von Mett, die mehrfach erneuert und vergrössert wurde. Sie war wohl von Anfang an dem heiligen Stephanus geweiht, einem der sieben Helfer der Apostel in der Urgemeinde von Jerusalem. 1228 wird sie erstmals in einem Chartular (Güterverzeichnis) des Bistums Lausanne erwähnt. Seit 1528 dient sie dem reformierten Gottesdienst.
Die Kirchgemeinde Mett hat nun der Geschichte dieses ehrwürdigen Gotteshauses —einem der ältesten der Region — eine öffentlich zugängliche Darstellung gewidmet. Sechs grosse Informationstafeln auf dem Vorplatz der Kirche informieren über das römische Grab und die bauliche Entwicklung der Kirche. In einer Vitrine sind Kopien des reich verzierten Bechers und der Fibel ausgestellt.
|